Denkfabrik für Weltverbesserer

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„Vor Gericht und auf hoher See“ …

15. Februar 2009

Viele Museen weigern sich Raubkunst zurückzugeben.

(ARD, BR) Es war Rassenwahn, Besessenheit und Gier! Erst zerstörten sie die wirtschaftliche Existenz aller Juden in Deutschland, dann stürzten sich Hitler und seine Helfershelfer auf deren Besitz. Hemmungslos raubten und erpressten sie sich die wertvollsten Kunstsammlungen. Weit mehr als 600.000 Gemälde wanderten in die Hände der Nazis oder wurden im Ausland verkauft, um Devisen zu beschaffen. Was Auswanderer zurückließen, wurde beschlagnahmt. Millionen Menschen wurden enteignet und im KZ ermordet. Viele waren Kunstsammler. Ein Buch geht jetzt diesen grausamen Schicksalen nach. Es zeigt auch, wie und warum sich deren Nachkommen bemühen, die verlorenen Bilder wieder zu bekommen. „Weil sie eine Erinnerung an die Großeltern sind, weil sie einmal im Wohnzimmer gehangen haben und man als Kind darunter gespielt hat und sich an dem Bild gefreut und von den Großeltern erzählt bekommen hat, was das Bild ihnen persönlich bedeutet“, sagt die Autorin Melissa Müller. „Da geht es sehr stark auch um persönliche Erinnerungen an Menschen, die man im Dritten Reich verloren hat.“

Der Fall Steinthal

Max Steinthal war einer der wichtigsten Wirtschaftslenker Deutschlands und auch einer der größten Mäzene. Sein Schicksal ging Monika Tatzkow bei ihren Archiv-Recherchen für das Buch besonders nahe. Mit der Enteignung von Steinthals Kunstsammlung – allein mehr als 120 Gemälde – wurde auch sein gesellschaftliches Ansehen vernichtet. „Max Steinthal war über 60 Jahre einer der leitenden Leute der Deutschen Bank und kaum war er als Jude in der Nazizeit geschasst, verschwand er auch aus der Geschichte des Bankhauses“, sagt die Autorin Monika Tatzkow. „Man hat sich erst wieder an ihn erinnert, nachdem er zurückkehrte ins öffentliche Bewusstsein in Gestalt des Wieder-Auffindens seiner Kunstsammlung.“

Kampf um Rehabilitierung

Erst vor wenigen Jahren wurden 60 der 120 Gemälde an die Erben zurückgegeben. Steinthals Enkel Michael hatte sich seit der Maueröffnung bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden um die Herausgabe bemüht. Kurz bevor es so weit war, starb er. Seine Witwe erinnert sich: Der Kampf um die Rückgabe hatte nicht nur materielle Gründe. Es ging vor allem auch um die Rehabilitierung der Familie Steinthal. In Deutschland ein langer, zäher, zermürbender Prozess. „14 Jahre lang ein dauernder Kampf mit Behörden und Museen“, sagt Anneliese Montfort-Steinthal. „Alle weigerten sich uns entgegenzukommen und auf unsere Bitte: ‚Lassen Sie uns doch selbst mal forschen in Ihren Kellern‘, haben sie nie reagiert. Und haben gesagt: ‚Das ist verboten!'“

Wissentlich belogen

Immer noch weigern sich Museen Bilder zurückzugeben. Aktuell: das städtische Lenbachhaus München. 1982 wurde Paul Klees Bild „Die Sumpflegende“ vom Museum und der Gabriele-Münter-Stiftung gekauft, obwohl bekannt war, dass es Kurt Küppers und seiner Frau Sophie gehört hat. Sophie zog nach Kurts Tod mit ihrem neuen Mann El Lissitzky nach Moskau. Ihre Gemäldesammlung ließ sie in Hannover. Die Nazis verkauften die Sumpflegende als „entartete Kunst“ in die Schweiz. Nach dem Krieg erkundigte sich Sophie nach ihren Bildern. „Man hat ihr gesagt: ‚Die Bilder sind damals in der Aktion ‚Entartete Kunst‘ verschleppt worden, die sind alle verschollen. Sie müssen sich damit abfinden, dass diese Bilder nicht mehr existieren.'“, sagt die Autorin Melissa Müller. „Wissentlich hat man sie belogen! Denn der Museumsdirektor wusste ganz genau, zumindest von einzelnen Bildern, was mit ihnen geschehen war.“

Rückgabe verweigert

1989 kam Sophies Sohn Jen in den Westen, um im Auftrag der Mutter nach den Bildern zu forschen. Die Sammlung Beyeler in Basel zahlte daraufhin eine Entschädigung für ein Gemälde von Kandinsky. In München dagegen kam es 1993 zum Prozess. Das Gericht verweigerte die Rückgabe, unter anderem, weil das Bild „nicht aus weltanschaulichen, rassistischen oder politischen Gründen weggenommen worden“ sei. An dieses merkwürdige Urteil fühlt sich die Stadt immer noch gebunden, obwohl neu entdeckte Dokumente belegen: Es handelt sich eindeutig um Raubkunst. „Wenn ein Gericht bestätigt, dass es im Eigentum der Stadt ist, kann ein Kulturreferent oder Oberbürgermeister nicht sagen, nun geben wir es doch hinaus“, sagt Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers. „Das lässt die Kommunalverfassung bei uns nicht zu. Insofern denke ich mir, ist es nicht schlecht, wenn wir das noch mal gerichtlich klären lassen.“ Wenn die Stadt München einen Prozess erwarte, dann werde sie den auch bekommen, sagt der Rechtsanwalt Gunnar Schnabel: „Die Frage ist bloß, ob dieser Prozess für das Ansehen Deutschlands, im speziellen aber auch für München besonders vorteilhaft wird. Denn natürlich werden wir sämtliche Möglichkeiten nutzen in diesem Prozess. Und den möchte ich in den USA anhängig machen und dort aufzeigen in welch eklatanter Weise hier nicht nur gegen die Washingtoner Prinzipien verstoßen wird, sondern gegen zivilrechtliche Grundsätze.“

Skandal in München

Mit den Washingtoner Prinzipien haben sich 1998 auch die deutschen Länder und Gemeinden verpflichtet, Raubkunst zurückzugeben. Dass sich München bei der „Sumpflegende“ sperrt, ist ein Skandal. Die Rückgabe der geraubten Kunstwerke ist nicht nur eine materielle Angelegenheit. Es geht auch um die Rehabilitierung der Familien, die als Sammler und Mäzene Großes geleistet hatten. Eine Aufarbeitung der Nazizeit! Noch wurden tausende Gemälde nicht zurückgegeben.

(Autor: Norbert Haberger)

OPD-Kommentar: Für unsere Museen mag es schmerzlich sein, sich nach all den Jahren von der Raubkunst (Beutekunst) trennen zu müssen, die in ihren Ausstellungen hängen oder in den Archiven gelagert sind. Dazu gibt es aber keine Alternative: Recht muss Recht bleiben! Die OPD wird sich auch diesem Missstand und Unrecht vital annehmen. Die rechtmäßigen Eigentümer/innen der in der NS-Zeit geraubten Kunst müssen wieder an ihr Eigentum kommen, oder zumindest einvernehmlich entschädigt werden. Daran gibt es nichts zu rütteln, auch wenn dazu einige Kommunalverfassungen geändert werden müssen oder ein Restitutionsgesetz geschaffen werden muss. Das gehört auch zur Aufarbeitung des Unrechts in der NS-Zeit – eine historische und moralische Verpflichtung.

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