Denkfabrik für Weltverbesserer

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18. Juli 2010

Wir Europäer! (1/6)

Europa beginnt zu denken

Dokumentation von Nina Koshofer, Judith Voelker und Claus Bredenbrock

Phoenix, 18.07.2010 – 10.30 bis 11.15 Uhr

Welche Ideen und Ereignisse, Entwicklungen und Umbrüche waren für die Menschen in Europa aus heutiger Sicht prägend? „Wir Europäer“ ist eine exemplarische Spurensuche nach den Wurzeln unserer gemeinsamen Identität, die uns verbindet, allen nationalen und regionalen Unterschieden Europas zum Trotz. Es geht um Ideen und Werte und um die, die dafür lebten, kämpften und manchmal dafür starben.

Rund 50 Millionen Menschen verschiedenster Sprache und Kultur leben im 15. Jahrhundert in Europa. Das Wissen ihrer Zeit wird an 77 Universitäten gelehrt, in der Weltsprache Latein und unter den wachsamen Augen der katholischen Kirche. Sie bestimmt, wie die Welt zu sehen ist. Doch damals wächst eine Idee, die wir heute für selbstverständlich halten: Der Glaube an die eigene Erkenntnis. Davon erzählt die erste Folge, beginnend mit dem Ende des Mittelalters:

Der dickköpfige Tscheche Jan Hus liest in Prag die Bibel selbst aufmerksam, interpretiert sie auf seine Weise und redet auch noch laut darüber. Unerhört in seiner Zeit, in der die Kirche vorgibt, wie Gottes Wort zu verstehen ist. Der flämische Anatom Andreas Vesalius traut seinen Augen und seiner Erkenntnis mehr als allen philosophischen Überlieferungen und lässt es sich deshalb nicht nehmen, eigenhändig menschliche Leichen zu öffnen und genau zu untersuchen. Der ermländische Astronom Nikolaus Kopernikus beobachtet den Himmel so lange, bis für ihn Gewissheit war, was die Kirche nicht wahrhaben wollte, dass nämlich die Sonne und nicht die Erde der Mittelpunkt der bekannten Planetenwelt ist. So unterschiedlich diese drei Europäer waren, trauten sie doch alle ihrer eigenen Erkenntnis – entgegen der mächtigen Kirche und ihrer Interpretation der Welt.

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