Denkfabrik für Weltverbesserer

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„Wenn ich König von Deutschland wär …“ (85)

8. Mai 2011

… gäbe es in kürzester Zeit keine größeren Probleme mit illegalen Graffiti- Schmierereien an Hauswänden, Brücken und Bauten mehr. Ausgestorben wären sie. Zumindest dort, wo sie nicht hingehören.

Auf insgesamt 200 bis 250 Millionen Euro schätzt der Deutsche Städtetag die Schäden, die Sprayer und Schmierfinken (Tags) pro Jahr an öffentlichen Verkehrsmitteln, privaten und öffentlichen Gebäuden anrichten. Wer zahlt den Schaden? Wir alle, mit unseren Fahrpreisen, Steuern und Abgaben.

Nicht weg- sondern hinschauen heißt die Botschaft. Das Gemeinwesen muss stärker als bisher vor den jährlichen Millionenschäden durch Vandalismus und Zerstörung geschützt werden. Die Steuer- und Abgabenlast, die alle Bürger/innen zu tragen haben, ist hoch genug. Zu hoch. Wer den Steuerzahlern weitere Kosten aufbürdet, indem er fremdes Eigentum mutwillig beschädigt oder zerstört, muss mit aller Härte zur Rechenschaft gezogen werden, sowie für alle Kosten selbst aufkommen – auch für die Kosten seiner Ergreifung.

1.000 Euro Fangprämie für jeden Bürger der sich in der Lage sieht, einen illegalen Sprayer, Tage-Schmierer, Scratcher oder Sachbeschädiger dingfest zu machen, und der Polizei zu übergeben. Bares Geld, aus einem Sonderfond für mehr Bürgerengagement bei der Kriminalitätsbekämpfung.

Drei Tage Warnschussarrest für jeden ertappten Ersttäter. Dreißig Tage für Mehrfachtäter. Ohne Pardon! Nix Geschwafel von „modernem Kunstverständnis“, „schwieriger Kindheit“ oder „dummer Jungenstreich“! Ob Schüler, Student, Angestellter oder Rentner – die wandern alle ein. Aber gewiss nicht in einen frisch renovierten, hochmodernen JVA-Trakt, sondern in eine spartanisch eingerichtete Arrestzelle der Polizei, mit Mobiliar aus dem Sperrmüll, abgelegter Hotelbettwäsche und ausgemustertem Geschirr. Nicht einen Cent müsste der Steuerzahler für die Ausstattung der bundesweiten Arrestzellen aufwenden.

Wiederholungstäter dürften einem Graffiti-Entfernungs-Unternehmen (36-Stunden-Woche) tatkräftig zur Hand gehen, und den Mist ihrer „Künstlerkollegen“ von Wänden, Bänken und Straßenbahnen schrubben. Die kriegen wir schon klein …

Die ausgelobte Fangprämie kann nur ein Hilfsmittel sein, um deutlich mehr Schmierfinken und Vandalen – als heute – überführen zu können. Die Speerspitze für mehr Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit, von Flensburg bis zum Bodensee, könnte eine bundesweite Bürgerwehr sein. Der endgültige Name steht noch nicht fest. Vielleicht Bürger-Engel oder Kiezläufer. Aber das ist bereits ein ganz anders Kapitel. Vielleicht eines der kommenden Woche.

Etwas zur Prävention:

Ein neues Schulfach mit dem Namen „Lebensschule“ würde Kindern und Jugendlichen frühzeitig die notwendigen Werte vermitteln, damit sie Solidarität, Liebe und Mitgefühl kennen lernen, fremdes Eigentum achten und die strukturellen Zusammenhänge, Chancen und Gefahren unseres Gemeinwesens besser verstehen.

Eine einheitliche Schulkleidung würde helfen, Kindern und Jugendlichen von der ersten Klasse an nahe zu bringen, dass sich ihre Persönlichkeit vor allem durch erlerntes und angewendetes Wissen formt und nicht durch äußerliche Statussymbole in Form von Markenartikeln.

Mehr Geld für die Sanierung und Ausstattung unserer Bildungseinrichtungen würde helfen, Kindern und Jugendlichen bessere Lebenschancen und Zukunftsperspektiven zu bieten.

Mehr Geld für Sport-, Musik, Kultur- und Kunstvereine (dieses Kapitel ist noch in Arbeit). Von der ersten Schulklasse an, sollten Kinder spielerisch für irgendein Hobby begeistert werden. Jede Schulklasse sollte regelmäßig mit dem Klassenlehrer verschiedene Vereine besuchen (Fußball, Tennis, Handball, Segeln, Schach, Angeln, Malerei, Theater, Singen, Tanzen, Fechten, etc.), um die Kinder frühzeitig für ein irgendein Hobby zu begeistern. Fängt ein Kind Feuer, wird es später gewiss nicht auf der Straße herumlungern und sich irgendwelchen Jugendbanden anschießen, die nur Blödsinn machen.

Graffiti ist eine Kunst, wenn sich Könner damit beschäftigen. Die ersten Graffiti fanden sich im Alten Ägypten. Damit sind nicht die reich ausgestalteten Wandmalereien in den Tempeln und Grabstätten gemeint, sondern gemäß der Definition private, gekratzte Inschriften, die sich auf Tempeln, in Gräbern, auf Felsen und Statuen befinden. Seit 1977 sprüht Harald Naegeli, der ‚Sprayer von Zürich‘, seine Strichfiguren auf Wände in diversen Großstädten. Wegen seiner Graffiti in Zürich wurde er 1981 zu neun Monaten Haft und 206.000 Franken Strafe verurteilt. Diese Strafe musste er 1984 absitzen, nachdem er nach Deutschland geflohen und ein internationaler Haftbefehl gegen ihn ausgestellt worden war. Heute ist er ein anerkannter Künstler, dessen Werke von der Stadt Zürich als schützenswert erachtet werden. Künstlerisch wertvolle Graffiti-Kunst braucht einen öffentlichen Raum. Den kann man leicht anbieten und schaffen. Zahlreicher als heute. In den Fluren und Treppenaufgängen der meisten Behörden und Ämter wäre ein Platz dafür. Themenbezogene Auftragsgraffiti, mit denen sich große Talente sogar noch etwas dazu verdienen könnten, wäre hilfreich, illegalen Sprayern eine Bühne und Anerkennung zu verschaffen. Unzählige Hauswände, Mauern, Brücken, öffentliche Toiletten, Stromhäuschen, etc., könnten durchaus verschönert und lebendig werden, wenn die Malereien abgesprochen sind. Kunst braucht Raum!

Die Eckpunkte und Ausgestaltung aller hier dargelegten Reformideen würden wir selbstverständlich auch unseren Landsleuten zur Diskussion und Lösungsfindung anheimstellen.

Mitdenken? Mitreden? Mitgestalten? Mitentscheiden? Bei uns ausdrücklich erwünscht!

So würde die OPD regieren, wenn sie „König von Deutschland“ wär.

(85 von 100)

16 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 boluitek // Mai 8, 2011 at 19:57

    Sie wollen tatsächlich die Lebensgrundlage der Unternehmen bedrohen, die gutes Geld mit der Entfernung von Graffitischmierereien verdienen. Das ist unerhört! :-)

  • 2 Düne // Mai 9, 2011 at 13:58

    Des einen Freud, des anderen Leid. Mich würde es freuen, wenn die unqualifizierten Schmierereien verschwinden. Sehr sogar.

  • 3 Bklauser // Mai 9, 2011 at 14:17

    Könnte funtionieren. Nur, finden Sie 1000 € Fangprämie nicht etwas zu hoch gegriffen? Vorab, danke für Ihre Bemühungen.

    Anmerkung der Redaktion: Das Geld will erstmal verdient sein, in vielen Nächten, die man sich dafür um die Ohren schlägt, um einen Sprayer auf frischer Tat ertappen zu können. Und in den meisten Fällen wird wohl ein zweiter Mann mit dabei sein, der alles filmen muss. Die Beweisführung muss nämlich lückenlos und schlüssig sein, bevor jemand 1.000 Euro aus dem „Sonderfond“ bekommt. Dazu gibt es noch mehr Informationen in einem der nächsten Kapitel (Bürgerwehr).

  • 4 Jette // Mai 9, 2011 at 14:47

    Daumen hoch!!!!

  • 5 Goldstein // Mai 9, 2011 at 15:09

    „Kunst kommt von Können“

    So, wie einige Graffitisprayer echt was auf dem Kasten haben, so hat die OPD das richtige Gespür für die Probleme in unserem Land. Chapeau!

  • 6 kevin // Mai 9, 2011 at 16:11

    Genau so: „Kunst braucht Raum!“

  • 7 Waldläufer // Mai 9, 2011 at 18:00

    Lebendig gestaltet, das umfangreiche Thema, durch die vielen Links. War vermutlich nicht wenig Arbeit. Danke, für den Lesegenuss. Würde ich auch alles unterschreiben.

    Anmerkung der Redaktion (Spätdienst): Gern geschehen.

  • 8 Frau Schulze // Mai 9, 2011 at 19:22

    OPD Forever! :-)

  • 9 Gerd // Mai 9, 2011 at 20:06

    Einer Ihrer besten Kapitel. Hat alles Hand und Fuß.

    ! Was machen Sie mit denen, die irgendwelchen Landstreichern ne Farbdose in die Hand drücken, um sie hinterher der Polizei zu melden, wegen der 1000 € ??

    Anmerkung der Redaktion: Die würden 2.000 Euro Geldstrafe löhnen + Anzeige + 7 Tage Arrest.

  • 10 Parzival // Mai 9, 2011 at 21:18

    @ kevin

    Diesen Raum würde die OPD schaffen. Mehr als alle anderen Parteien zusammen. Aber die illegalen Schmierereien müssen aufhören!

  • 11 riedel // Mai 9, 2011 at 22:45

    Hier ist was los. Förderung von Denunziantentum nenne ich das.

    Anmerkung der Redaktion: Jedem seine Meinung. Wir suchen nur Mehrheiten für unsere Standpunkte und Lösungsvorschläge.

  • 12 Pauschale // Mai 9, 2011 at 23:56

    Die Schmierfinken haben eine schlechte Erziehung bekommen. Um die Eltern sollte man sich kümmern.

  • 13 AR // Mai 10, 2011 at 09:24

    @ riedel
    Geh‘ mal zum Arzt!

  • 14 Marianne61 // Mai 10, 2011 at 14:30

    Auf das Bürgerwehrkapitel bin ich gespannt wie ein Flitzebogen.

    @ AR

    :-)

  • 15 hitecER // Mai 10, 2011 at 17:57

    Durch Zufall bin ich heute auf diese Seite gestoßen, und …………positiv überrascht. Weiter so!

  • 16 „Es ist relativ einfach die Welt zu verändern. Es ist nur nicht ganz billig …“ // Jun 19, 2011 at 19:45

    […] Geld, aus einem Sonderfond für mehr Bürgerengagement bei der Kriminalitätsbekämpfung. Kapitel 85 würde zum Volksentscheid gestellt, durchgeplant und umgesetzt […]

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