Denkfabrik für Weltverbesserer

Patrioten und Visionäre: Hier ist die Offensive Partei Deutschlands – OPD. / Die beste Partei der Welt!?

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„Wenn ich König von Deutschland wär …“ (33)

19. Dezember 2010

… würden wir Journalistenrabatte jeglicher Art grundsätzlich verbieten, da wir in der jahrzehntelangen Praxis dieser Vorteilsnahme eine Gefahr für die journalistische Entscheidungsfreiheit sehen. Alles was über drei Tassen Kaffee oder eine warme Mahlzeit im Wert von maximal 10 Euro hinausgeht, dürfte es bei uns nicht mehr geben.

Die wachsweiche Ziffer 15 des Pressekodex des Deutschen Presserats würden wir schnurstracks überarbeiten.

Vorher: „Die Annahme und Gewährung von Vorteilen jeder Art, die geeignet sein könnten, die Entscheidungsfreiheit von Verlag und Redaktion zu beeinträchtigen, sind mit dem Ansehen, der Unabhängigkeit und der Aufgabe der Presse unvereinbar. Wer sich für die Verbreitung oder Unterdrückung von Nachrichten bestechen lässt, handelt unehrenhaft und berufswidrig.“

Nachher: „Die Annahme und Gewährung von Vorteilen jeder Art, die über drei Tassen Kaffee oder eine warme Mahlzeit im Wert von maximal 10 Euro hinausgehen, sind grundsätzlich verboten, weil sie die Entscheidungsfreiheit von Verlag und Redaktion beeinträchtigen, sowie mit dem Ansehen, der Unabhängigkeit und der Aufgabe der Presse unvereinbar sind.“

„Wer sich für die Verbreitung oder Unterdrückung von Nachrichten bestechen lässt, handelt unehrenhaft und berufswidrig. In Wiederholungsfällen kann ein solches Verhalten zum zeitweiligen Berufsverbot führen. Bei hartnäckigen und andauernden Verstößen gegen den Pressekodex kann ein dauerhaftes Berufsverbot ausgesprochen werden.“

Vielleicht noch so viel zum Presserat: „Der Presserat ist etwa so angriffslustig wie ein Goldfisch und so agil wie eine Riesenschildkröte.“ Stefan Niggemeier, Januar 2006

Liebe Journalisten, vermutlich würde keine andere Partei die ethisch verwerflichen Journalisten- oder Presserabatte beschneiden wollen, aber wir können nur unserem Gewissen folgen. In die Fußstapfen der ehemaligen und heutigen Regierenden wollen wir nicht treten. Wir müssen neue Wege gehen, wenn uns die Zukunft unserer Bundesrepublik wirklich am Herzen liegt.

Zum halben Preis in den Urlaub fliegen, ein Firmenwagen um 15 % günstiger kaufen, die verbilligte Kinokarte, ein Handy zum Journalistentarif oder verbilligte Elektronik aus dem Saturn oder Media Markt, würde es bei uns nicht geben, weil mit solchen Vorteilsannahmen die Glaubwürdigkeit des Journalismus untergraben wird. Und das Hauptkapital der Journalisten ist Glaubwürdigkeit. Wir alle, die Medienkonsumenten, setzen darauf, weil wir den Wahrheitsgehalt von Informationen oft nicht überprüfen können.

In der Erwartung, dass sich die Begünstigten in Konflikt-Situationen bewusst oder unbewusst an den leistungslos gewährten Vorteil erinnern, gewährt man Journalisten Vergünstigungen und Rabatte. Mit dem Ergebnis, dass die professionelle Distanz zum Unternehmen kleiner und die Verarbeitung vor allem nachteiliger Informationen in einer tendenziell besseren Bewertung mündet. Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden, weil Journalisten durch Vorteilsannahmen nicht bewusst kontrollierbaren Wirkungen ausgesetzt werden. Und das wissen die Vorteilsgeber!

Liebe Journalisten, die OPD würde nicht nur sämtliche Presserabatte verbieten, die keinen direkten Bezug zur Berichterstattung haben, sondern auch jegliche Vergünstigung in engem Zusammenhang mit der journalistischen Tätigkeit zum Zweck der Berichterstattung. Kein freier Zutritt zu Veranstaltungen! Keine kostenlosen Rezensionsexemplare von Büchern oder von Software! Keine kostenlosen Pressereisen! Keine kostenlosen Testwagen von Autoherstellern!

Auf der anderen Seite ist uns natürlich auch bekannt, dass die teils schlechte Bezahlung von Journalisten, eine Bereitschaft zur Annahme jeglicher Vergünstigungen fördert. Hier würde die OPD helfend eingreifen, sich für eine faire Bezahlung von Journalisten stark machen. Und da würde uns schon etwas einfallen. Vielleicht staatliche Prämien für herausragenden Qualitätsjournalismus? Wir könnten uns eine finanzielle Unterstützung von Journalisten sehr gut vorstellen.

Für eine objektive und seriöse Berichterstattung, die Einfluss auf das Denken und Handeln von Millionen Medienkonsumenten nimmt, sollte uns kein Preis zu hoch sein.

Die Eckpunkte und Ausgestaltung aller hier dargelegten Reformideen würden wir selbstverständlich auch unseren Landsleuten zur Diskussion und Lösungsfindung anheimstellen.

Mitdenken? Mitreden? Mitgestalten? Mitentscheiden? Bei uns ausdrücklich erwünscht!

So würde die OPD regieren, wenn sie „König von Deutschland“ wär.

(33 von 100)

6 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Boris62 // Dez 19, 2010 at 20:19

    Schöne Arbeit und eine überaus notwendige Reformidee. Auch wenn es einigen Journalisten nicht gefallen wird ;-)

  • 2 Nobis // Dez 19, 2010 at 21:02

    Die Kritik an Presserabatten wurde ja schon öfters geäußert, aber eine Idee, wie unterbezahlten Journalisten geholfen werden könnte, fehlte dabei immer. Die OPDler schauen damit über den Tellerrand. Lobenswert!

  • 3 District // Dez 19, 2010 at 21:51

    In der Regel untersagen seriöse Verlage bereits in ihren Redaktionsstatuten die Annahme jeglicher Rabatte. Leider wird nicht in allen Medienhäusern so verfahren.

  • 4 Linus a. D. // Dez 20, 2010 at 07:19

    Karin Schrader, freie Journalistin: „Ich denke mal, wenn ich eine Reisereportage schreibe und der Urlaub wird halt voll finanziert, das man sich schon überlegt, ob man nicht die negativen Dinge weglässt.“

  • 5 Simon // Dez 20, 2010 at 09:02

    Eine Partei, die nichts gegen die verwerfliche Praxis der Journalistenrabatte unternimmt, ist nutzlos für die Republik und zahnlos wie der Deutsche Presserat.

  • 6 „Es ist relativ einfach die Welt zu verändern. Es ist nur nicht ganz billig …“ // Jun 22, 2011 at 20:18

    […] eine warme Mahlzeit im Wert von maximal 10 Euro hinausgeht, dürfte es bei uns nicht geben. Kapitel 33 würde zum Volksentscheid gestellt, durchgeplant und umgesetzt […]

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